NYC-Marathon – Teil 2

Im Rahmen meiner Vorbereitung auf den NYC-Marathon (übrigens bereits mein insg. 8. Marathon) hatte ich erhebliche Probleme mit meinen Bandscheiben. Dies führte dazu, dass ich wochenlang nicht laufen konnte, zu wenige Longjogs absolvierte und kein Intervalltraining. Mit anderen Worten: ich  war noch auf keinen Marathon so schlecht vorbereitet. Der Start stand also in den Sternen. Noch dazu bekam ich 2 Tage vor dem Start (also schon in NY) wieder starke Rückenschmerzen.


Trotz allem entschied ich mich für die Teilnahme – mit der Option, sehr genau auf meinen Körper zu hören und im Zweifelsfall abzubrechen. Ganz einfach wollte ich mir die Start-Atmosphäre nicht entgehen lassen. Ausgestattet mit einer Schmerztablette und mental bestens unterstützt durch meine Liebste Gabriele und meinen Freund Johannes trat ich also an: 40.000 am Start, Adrenalin-geschwängerte Luft, die (live gesungene) Nationalhymne, die riesige Verazano-Brücke vor uns – dann der Startschuss und "New York" von Frank Sinatra in voller Lautstärke. So ging's los und nach immerhin bereits ca. 2 Minuten passierten wir die Startlinie.


Mir war klar, dass mein übliches Imaginationsprogramm, mir u.a. vorzustellen, wie ich über die Ziellinie laufe, hier zu kurz greifen würde. Ich hatte ja Sorge, dass mir der Schmerz jederzeit wieder "einschießen" könnte. So hantelte ich mich von Labestation zu Labestation, jede Meile (1,6 km) und entschied mich jedes Mal neu zum Weiterlaufen. Anders ausgedrückt: ich zerlegte die gesamte Strecke in viele Teilziele, hatte aber im Hintergrund mein "big picture". Jede Meile war ein kleines Erfolgserlebnis!  Auf diese Art schaffte ich es (relativ) leicht, trotz des Trainingsrückstandes die Strecke zu bewältigen, ohne je ans Aufgeben zu denken – mein Körper hielt durch – und: mir geht es heute, 4 Tage später – hervorragend!  


Was heißt das, umgelegt auf das Berufsleben? Definiere dein Ziel, zerlege es in kleine Teilziele, freue dich über Erreichtes und schärfe deine Wahrnehmung für alles, was dein Ziel beeinflussen kann. Wage etwas, tue bewusst den 1. Schritt (auch wenn es unbequem ist), aber überfordere dich nicht.

Autor: Alfred Freudenthaler, MSc

Alfred Freudenthaler, MSc

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