Das Beglaubigungsschreiben…

Ein Mann hatte mehrere Jahre bei einem Sufi-Meister gelernt, zu dem er mit Hilfe von Spendenaufgeboten der Bürger seiner Heimatstadt geschickt worden war. Als die Zeit für seine Rückkehr kam, gab ihm der Meister ein Beglaubigungsschreiben. Darin stand: "Ich bescheinige hiermit, dass dieser Mann fortwährend gefastet, außerordentliche Entbehrungen erlitten und Wunder vollbracht hat und in jeglicher Hinsicht Respekt verdient."


Der Schüler sagte: "Warum stellt Ihr mir solch ein unwahres und irreführendes Dokument aus?"


Der Meister entgegnete:"Sufis existieren weder durch sichtbare Leistungen, noch durch den Besitz von Zeugnissen. Aber erklär das mal denen, die für sichtbare Leistungen und Beglaubigungsschreiben bezahlt haben. Die Leute, die es dir ermöglicht haben herzukommen, wären die ersten, die dich verunglimpfen und behaupten würden, du hättest ihr Geld verschwendet, wenn ihnen nicht die ihnen eigene Art von Beweis für deine Bedeutung gebracht wird."


(Quelle: Idries Shah, Das Zauberkloster, Rowohlt 1986)

Autor: Alfred Freudenthaler, MSc

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