Die Funktion von Feindbildern

Im Coaching erzählt mir der Bereichsleiter eines namhaften Industrieunternehmens von seinen Schwierigkeiten mit "denen vom Vertrieb", "den Ostblock-Kunden", "den verdammten Konkurrenten", "den Gutmenschen" und "den ausländischen Mitarbeitern" im allgemeinen. Ich gebe zu: wenn ich es so verdichtet lese, wirkt es viel ärger als im Gespräch selbst. Und dennoch: diese Pauschalierungen und diese Definition vermeintlicher Feindbilder hat natürlich seine Wirkung.


Was ist denn die Funktion von Feindbildern? Dazu habe ich so meine Hypothesen, z. B. reduzieren Feindbilder die Komplexität, man fühlt sich vordergründig denen überlegen, über die man sich aufregt – und es schafft Verständnis und ein Wir-Gefühl bei denen, die nicht zur Feindbild-Gruppe gehören.


Da diese Funktionen ja scheinbar "das Gute am Schlechten" repräsentieren, arbeiten wir im Coaching behutsam daran, andere Wirklichkeiten zu schaffen und eine differenziertere Sichtweise zu gestalten – und zwar dort, wo es in Bezug auf das Coaching-Anliegen sinnvoll ist.


Somit dürfen manche Feindbilder auch bleiben…

Autor: Alfred Freudenthaler, MSc

Alfred Freudenthaler, MSc

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