Eh schon wissen…

Einer der größten Störfaktoren für gute Kommunikation ist die Annahme, nach den ersten Worten schon zu wissen, was der andere meint, bevor wir noch etwas verstanden haben.


Da erzählt ein Mitarbeiter von einer neuen Idee und nach wenigen Worten unterbricht der Chef: "Ja, das haben wir schon probiert, das bringt nichts." Oder eine Kollegin erzählt von einem Problem, das sie beschäftigt und der Kollege antwortet sogleich: "Ja, das kenne ich auch, bei mir war das damals so…". Oder im privaten Bereich: ein Kind möchte erzählen, wie es sich das Knie aufgeschlagen hat und die Mutter sagt: "Ja, hast du wieder nicht aufgepasst, was?".


Der Hintergrund dafür ist, dass wir versuchen, jegliche Kommunikation in unsere "Landkarte" einzupassen. Das führt jedoch dazu, dass wir nicht in der Lage sind, die Landkarte der anderen Person zu ergründen und damit echte Begegnung zu ermöglichen. Damit vertun wir die auch die Chance, unsere eigene Landkarte zu erweitern.


Eric Berne, der Begründer der Transaktionsanalyse hat in diesem Zusammenhang von "marsianischem Denken" gesprochen. Man sollte also in der Begegnung mit anderen Menschen so neugierig und offen sein wie ein Außerirdischer, der – zumindest auf diesem Planeten – noch keine Landkarte hat…

Autor: Alfred Freudenthaler, MSc

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