Das Problem mit dem Problem

Nichts eint Menschen so sehr wie eine gemeinsame Problemsicht. Jede/r fühlt sich verstanden und sicher, wenn es andere gibt, die das Problem und dessen Uraschen gleich einschätzen wie man selbst. Dazu kommt die verbreitete Sichtweise, dass man ein Problem erst grundlegend analysieren und in allen Facetten verstehen müsste, um sich überhaupt erst einmal Gedanken über eventuelle Lösungsmöglichkeiten machen zu können. Das alles führt zu einer starken Problemorientierung, wie ja auch unsere alltägliche Kommunikation zeigt (ganz allgemein: die meisten Menschen reden doch lieber über Probleme als über Lösungen!).


Natürlich ist eine gesunde Ursachenforschung meist sinnvoll und es muss nicht immer und um jeden Preis radikal lösungsfokussiert gearbeitet werden nach dem Motto: "Ihr Problem interessiert mich nicht, sagen Sie mir lieber, was Sie anstelle des Problems haben wollen."


Mir geht es um ein anderes Bewusstsein, was das Denken in Problem- und Lösungskategorien betrifft. Frage jemanden nach Problemen und du kriegst Probleme, frage ihn nach Lösungen und du kriegst Lösungen.


Als Coach muss ich nicht jeden Aspekt des Kundenproblems verstehen, es geht eher darum, Strukturen und Muster zu erkennen. Ebenso muss ich nicht den Problemraum des Kunden betreten, ich schaue es mir lieber "durch das Fenster" an – halte also eine entsprechende Distanz. Und vor allem ist für den Kunden nur eine andere Problemsicht, die sich von seiner eigenen unterscheidet, von Nutzen. Nur so kann der Handlungs- und Lösungsspielraum erweitert werden!   

Autor: Alfred Freudenthaler, MSc

Alfred Freudenthaler, MSc

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