Wer ist hier die Chefin?

Frau A., eine 31jährige Abteilungsleiterin (seit sechs Monaten Führungskraft) erzählt mir von einer 52jährigen Mitarbeiterin, mit der sie ihre liebe Not hat.

Diese Mitarbeiterin  akzeptiert sie nicht als Vorgesetzte, hält Dienstwege nicht ein, macht die neue Chefin bei jeder Gelegenheit schlecht.

Eine ermutigende Situation, gerade wenn man sich in der neuen Rolle ohnehin noch nicht so sicher fühlt!

Im Coaching betrachten wir die Situation etwas distanzierter und sachlicher. Langsam kristallisieren sich schließlich drei wesentliche Aspekte heraus: Zum einen lässt es der Vorgesetzte von Frau A. zu, dass ihre Mitarbeiterin sich direkt an ihn wendet. Daraufhin angesprochen, verweist er darauf, dass er ja selbst weiß, wie schwierig es mit dieser Mitarbeiterin ist und er sich auf diese Weise Diskussionen ersparen will.

Ein weiterer Punkt liegt bei Frau A. selbst: im Moment ihrer Bewerbung war ihr schon klar, dass diese Mitarbeiterin sie als junge Chefin sicher nicht akzeptieren wird.

Und schließlich geht es um die Kommunikation: die Mitarbeiterin bevorzugt es, schreiend den Raum zu verlassen, sobald Frau A. etwas Kritisches anmerkt…

Daraus ergeben sich für Frau A. im Coaching verschiedene Ansatzpunkte:

·         Beim eigenen Vorgesetzten geht es darum, Führung und Unterstützung einzufordern. Wenn Dienstwege nicht eingehalten werden und dies toleriert wird, macht das eine konstruktive Führungsbeziehung unmöglich.

·         Den eigenen Glaubenssatz bearbeiten: wenn ich davon überzeugt bin, dass ich aufgrund meines Alters nicht akzeptiert werde, habe ich schon sehr viel dazu beigetragen.

·         Das Kommunikationsmuster unterbrechen: immer wenn die Mitarbeiterin schreiend den Raum verlässt, verstummt Frau A. und fühlt sich schuldig und hilflos. Hier arbeiten wir einige zum Teil sehr kreative Möglichkeiten heraus, wie Frau sich in dieser Situation auch anders verhalten könnte. Für alle Fälle spielen wir einige Situationen auch durch, sodass Frau A. mehr Sicherheit gewinnt.

Zum ersten Mal seit Monaten sieht Frau A. „ein Licht am Horizont“ und ist bereit, die Verbesserung ihrer Situation in Angriff zu nehmen.

Autor: Alfred Freudenthaler, MSc

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