Verunsicherung durch Karriereschritt

Eine Coaching-Kundin (seit 6 Monaten in leitender Funktion) erzählt mir, dass sie diesen Karriereschritt am liebsten rückgängig machen würde. Früher war sie in der 2. Reihe, war anerkannte Fachexpertin, hatte ein gutes Verhältnis zu allen Kollegen und war aufgrund ihrer Erfahrung gefragte Ansprechpartnerin, nicht nur für die Kollegen, sondern auch für Kunden und Vorgesetzte.


Und jetzt? Große Verunsicherung. Neue Aufgaben, Abläufe, Verantwortungsbereiche und Fachgebiete. Hoher Erwartungsdruck, vor allem an sich selbst. Unangenehme Gespräche als Führungskraft mit den ehemaligen Kollegen (Kritikgespräche, Budgetkürzungen usw.). Der frühere Status, die Beste zu sein, ist verschwunden. Vom eigenen Vorgesetzten gibt es wenig Unterstützung, da er davon ausgeht, dass sie es schon schaffen wird…


Im Coaching ist der erste Schritt, eine entsprechende innere Distanz zum Geschehen zu finden, um eine ganzheitlichere Sichtweise zu bekommen. Dann listen wir auf, um welche Punkte es geht und finden über 20 Unterthemen, die sie priorisiert und die wir dann angehen. Ein zentraler Aspekt sind ihre inneren Antreiber (sei perfekt, arbeite hart etc.). Diese Antreiber beinhalten natürlich einen positiven Kern und wir arbeiten daran, wie sie die positiven Aspekte stärker in den Alltag integrieren kann. Auch wird ihr bewusst, dass sie sich vor Übernahme der neuen Position kaum Gedanken darüber gemacht hat, wie sie das Ganze (abgesehen von fachlichen Aspekten) angehen wird, wo mögliche Fallstricke liegen könnten und wie sie diese umgehen kann. Der Zeitpunkt für das Coaching wäre sicher zeitnah zur Beförderung passender gewesen, doch es ist (fast) nie zu spät, es gibt nioch viel zu tun, schauen wir nach vorne… 

Autor: Alfred Freudenthaler, MSc

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