Bitte keine unerbetene Hilfe!

Übertriebene Hilfsbereitschaft am Arbeitsplatz ist schädlich. Denn wer Kollegen ungefragt hilft, vergiftet letztendlich die Atmosphäre. Das zeigt eine Studie von Forschern der Michigan State University (MSU) http://msu.edu . Denn unerbetene Hilfe kann das Selbstwertgefühl von Kollegen untergraben, während fehlende Dankbarkeit den Helfer frustriert. Besser ist also, wenn hilfsbereite Menschen warten, bis Kollegen sich tatsächlich an sie wenden.

Ungefragter Frustfaktor

Das hat eine Untersuchung ergeben, für die Russell Johnson (Prof. für Management an der MSU) und sein Team Vollzeitbeschäftigte aus diversen Branchen befragt haben, um sich ein Bild von Helfen und Dankbarkeit am Arbeitsplatz sowie deren Auswirkungen zu machen.

Proaktive Hilfe – also zu Kollegen gehen und helfen, ehe diese darum gebeten haben – ist demnach problematisch. „Wenn Leute bei der Arbeit ständig kommen und fragen, ob ich Hilfe brauche, kann das mein Selbstwertgefühl beeinflussen und frustrierend werden“, erklärt der Wissenschaftler. Dazu kommt, dass ungefragte Helfer die Probleme der Kollegen oft gar nicht genau verstehen. Insgesamt zeigen sich also Empfänger unerbetener Hilfe nicht sonderlich dankbar. Die fehlende Dankbarkeit wiederum frustriert die Helfer.

Abwarten und Frust vermeiden

Wenn es um Hilfsbereitschaft am Arbeitsplatz geht, ist also das sprichwörtliche Abwarten und Tee trinken gar keine so schlechte Idee. Wer sich einfach auf die eigene Arbeit konzentriert, bis Kollegen ihn tatsächlich um Hilfe bitten und dann reaktiv hilft, fährt Johnson zufolge am besten. Einerseits ist das Risiko, Kollegen zu frustrieren, geringer. Andererseits zeigen sich diese auch eher und zeitnah dankbar, was wiederum Frust für den Helfer selbst vermeidet.

Das fürsorgliche Eltern-Ich

Betrachtet man diese Situation mit dem Modell der Ich-Zustände (nach Eric Berne), wird deutlich, dass der Helfer sich im fürsorglichen Eltern-Ich befindet und der Empfänger somit in das angepasste Kind-Ich gedrängt wird. Dadurch fühlt sich der Helfer überlegen, außerdem traut er es dem „Kind“ nicht zu, seine Probleme selbst lösen zu können. Auf diese Art wird eine neue Art von Beziehungsmuster installiert, die eher den Charakter einer Eltern-Kind – Beziehung aufweist!

Aus meiner Erfahrung sind solche Beziehungsmuster im Berufsleben weit verbreitet. Um solche Muster aufzulösen, kann ein Coaching sehr hilfreich sein.

 

Bild: Fotolia

Autor: Alfred Freudenthaler, MSc

Alfred Freudenthaler, MSc

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