Das hilft gegen Aufschieberitis!

Meine Coaching-Kundin ist Kreativdirektorin in einer Werbeagentur. Das bedeutet, viel Kreativität ist gefragt bei ebenso vielen Terminvorgaben. Sie erzählt mir, dass sie große Schwierigkeiten damit hat, „auf Knopfdruck kreativ sein zu müssen“ und daher ihre Terminarbeiten meist erst in allerletzter Minute fertig bringt – es kann sogar vorkommen, dass sie Arbeiten nicht fristgerecht schafft, was mitunter zu großen Problemen mit ihren Kunden führt. Sie ist überzeugt, dass auch die Qualität besser wäre, wenn sie früher mit den jeweiligen Aufgaben beginnen würde.

Also: ein klarer Fall von „Aufschieberitis“.

Leiden auch Sie zeitweise darunter? Die Folgen können dramatisch sein, führt doch Aufschieberitis dazu, Projekte und Aufgaben nicht zeitgerecht abzuschließen, Rechnungen nicht pünktlich zu bezahlen oder sich nicht ausreichend auf Präsentationen oder Prüfungen vorzubereiten.

Die möglichen Gründe dafür sind vielfältig: z. B. Angst vor Versagen, Perfektionismus, wenig Selbstkontrolle,  Empfänglichkeit für Ablenkungen oder die Ansicht, dass das Leben zu kurz ist, um sich über scheinbar weniger wichtige Aufgaben Sorgen zu machen usw. …

Das Thema ist also sehr komplex – umso erstaunlicher, wie einfach eine durchaus wirkungsvolle Technik gegen Aufschieberitis ist:

Bereits in den 1920er Jahren entdeckte die junge Psychologin Bluma Zeigarnik ein Phänomen: Unter bestimmten Bedingungen können unerledigte Handlungen besser erinnert werden als erledigte („Zeigarnik-Effekt“). Der Fachjargon nennt den Zeigarnik-Effekt auch „Cliffhanger-Effekt“ (von englisch Cliffhanger, wörtlich: an einer Klippe hängen), in Anspielung auf das Stilmittel, eine Geschichte an einer spannenden Stelle („unerledigt“) zu unterbrechen.

Was hat das mit Aufschieberitis zu tun? Menschen, die darunter leiden, verschieben oft den Beginn bestimmter Tätigkeiten, weil sie von der Größe der bevorstehenden Aufgabe überwältigt sind. Wenn sie sich aber dazu aufraffen, „nur ein paar Minuten“ an der Aufgabe zu arbeiten, verspüren sie oft einen inneren Drang, sie bis zum Schluss durchzuführen.

Die Forschung zeigt, dass die „Nur ein paar Minuten“-Regel ein wirksame Methode ist, die dabei helfen kann, auch mühselige Arbeiten abzuschließen (vgl. Fritzsche et al, 2003).

Und: wie mir meine Kundin erzählt, hat diese Methode bei ihr bereits positive Wirkung gezeigt.

Bild: fotolia

Autor: Alfred Freudenthaler, MSc

Alfred Freudenthaler, MSc

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