Den Wissens-Elefanten in Scheiben schneiden

Es gibt das großangelegte Wissensmanagement – wie im Hauptbeitrag beschrieben – und daneben noch unzählige andere Zugangsweisen zu dem Thema. Allein wer den Suchbegriff „Wissensmanagement“ bei Google eingibt, bekommt haufenweise Einträge aufgelistet, darunter Definitionsbegriffe, Informationsblätter und sogar komplette Leitfäden.

Mein Ansatz ist ein ganz einfacher. Einfach, weil er sich leicht umsetzen lässt. Er beginnt damit, schon im Arbeitsalltag immer wieder aufzuschreiben, was genau und gerade jetzt zu einem Thema passiert. So als würden man Post its anfertigen mit kleinen Abläufen und Stichpunkten. Denn auch die Kleinigkeiten sind Teile eines großen Ganzen.

Vielleicht kennen Sie die Geschichte der Frau, die das erste Standardwerk in der Pflege geschrieben hat? Es ist bereits in der 12. Auflage erschienen. Sie war mit Leib und Seele in ihrer Arbeit. Ich kenne sie persönlich. Sie hat ständig Zettelchen geschrieben und zusammengefügt und ergänzt und letztlich wurde daraus ein 500 Seiten Standardwerk, das bis heute aktuell ist. Deswegen wird die Schweizer Ordensschwester Liliane Juchli auch gerne als die Die „Grande Dame“ der Pflege bezeichnet. Zu ihrem 80. Geburtstag und dem 40-jährigen Jubiläum des von ihr begründeten Pflege-Standardwerkes ist jetzt ihre Biografie „Liliane Juchli – Ein Leben für die Pflege“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2013) erschienen. Sowohl pflegebedürftige Menschen als auch Generationen von Pflegefachkräften haben von dem umfangreichen Wissen Liliane Juchlis profitiert – und ursprünglich war alles nur auf Zettelchen aufgeschrieben.

Anfangen ist das Schlimmste
So eine Wissensdatenbank kann sich jeder anlegen. Das kann ein ganz normaler virtueller Ordner auf dem PC sein, unterteilt in Unterordner für verschiedene Themen. Neue Themen können jederzeit einfach ergänzt werden. Alle Infos, die man über die Woche anfertigt und sammelt, legt man in diesem Ordner entsprechend ab. Am einfachsten sind Worddokumente zu handhaben. Schreiben Sie einfach drauflos wie es Ihnen in den Sinn kommt. Im ersten Schritt geht es nur darum, alles zusammenzutragen. Ich hörte einmal einen Chef zu seinen Führungskräften sagen: „Ich erwarte schlechte Qualität und zwar in 20 Minuten!“ Genauso wird es sich anfühlen, vor einem liegt ein Wirrwarr an Informationen, aber es ist so viel besser als nichts. Sobald man mehr Zeit hat um es in Ruhe zu ordnen, zu ergänzen, zu überarbeiten und fertigzustellen, merkt man erst, welch wunderbare Basis dieses Sammelsurium bietet. Menschen die von Berufswegen viel schreiben müssen kennen das: Nichts ist schlimmer als ein leeres Blatt und keine Ahnung, wo man anfangen soll. Sobald auf dem Papier etwas steht, und seien es nur Stichpunkte oder einzelne Wörter, ist alles schon nicht mehr so schlimm. Wer einfach drauflosschreibt, kommt irgendwann ganz von alleine in den Fluss.

Stellen Sie sich vor, alle ihre Mitarbeiter würden dies tagtäglich machen. Es würde ihnen mit der Zeit so in Fleisch und Blut übergehen, dass sie gar nicht mehr drüber nachdenken müssten. Es wäre eine ganz selbstverständliche Routine, ein Momentum, von dem das Unternehmen stark profitiert. Nicht nur, weil es Wissen auf die einfachste Art manifestiert, sondern weil es gleichzeitig auch das Bewusstsein der Mitarbeiter für ihr Tun verändert beziehungsweise schärft. Der einfache Weg im Wissensmanagement besteht aus lauter kleinen Schritten und aus Regelmäßigkeiten. Aus denen dann in der Folge ein Nachschlagewerk entstehen kann, zusammengefasst aus dem Wissen aller. So wie Schwester Lilianes.

Foto pixabay

 

Autor: Juliane Müller

Juliane Müller

Homepage: http://www.julianemueller.at

Telefon: +43-662-62583624

Weitere Infos siehe Juliane Müller

Keine weiteren Kommentare möglich.