Der Wahrheit ins Auge sehen

Ein Klient hatte im Rahmen eines Mitarbeitergesprächs bei seinem Chef, der in zwei Jahren in Pension gehen wollte, deponiert, dass er Interesse hätte, seine Nachfolge anzutreten. Sein Chef reagierte daraufhin sehr positiv und sagte ihm zu, dass er ihn dabei unterstützen wollte.

Dann passierte viele Monate nichts. Mein Klient fragte einige Male vorsichtig nach, wie denn die Lage sei und wie seine Chancen stünden. Die Antwort war immer, alles sei okay und im Laufen. Aber: Es gab keine Gespräche mit der Geschäftsführung, es gab keine erweiterte Einschulung, es gab keine Stellvertreterregelung, in keinem Projekt konnte mein Klient seine Kompetenzen beweisen.

Langsam wurde er unruhig und frustriert. Seine Hoffnungen waren ungebrochen und jeden positiven Blick seines Chefs deutete er als Auftakt zur großen Chance.

Die zwei Jahre waren abgelaufen und der Chef war immer noch aktiv unterwegs. Zu diesem Zeitpunkt meldete sich der Klient bei mir, um zu reflektieren, was er tun könne. Nachdem er mir alles erzählt hatte, stellte ich ihm eine Frage: „Angenommen, das alles hätte Ihnen ein Kollege aus einem anderen Unternehmen erzählt und Sie schauen unvoreingenommen – mit offenem Blick – auf die Situation, was nehmen Sie wahr und wie interpretieren Sie es? Was würden Sie ihm empfehlen?“

Blitzartig erkannte er die Wahrheit, „seine“ Wahrheit. Ich empfahl ihm, den direkten Kontakt mit dem Geschäftsführer zu suchen, um zu überprüfen, was die Wahrheit des Geschäftsführers sei.

Ich habe nie wieder von ihm gehört.

Autor: Mag. Gerhard Ratz

Mag. Gerhard Ratz

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