Ein Tabuthema!

 

Oder kommt es häufig vor, dass sich jemand offen und ehrlich über Langeweile im Job beklagt?

Glaubt man den Schweizer Unternehmensberatern Philippe Rothlin und Peter Werder („Unterfordert: Diagnose Boreout“, Redline Verlag 2014), leidet jeder 10. Beschäftigte unter Langeweile am Arbeitsplatz. Jeder 10.! Das heißt: sehr viel Zeit zum surfen, spielen, lesen,…?

Während Burnout das Ausgebranntsein durch Dauerstress und Überforderung kennzeichnet, beschreibt Boreout den Zustand dauernder Unterforderung – mit durchaus ähnlichen Symptomen!

Von Boreout Betroffene sind nicht faul, sie werden faul gemacht. Oder sie haben einen Job, der nicht zu ihnen passt. Oder sie arbeiten schlicht im „falschen“ Unternehmen.

Kurzum: Wer faul ist, will nicht arbeiten, auch wenn man ihn lässt. Wer unterfordert ist, will arbeiten, aber man lässt ihn nicht. Entweder weil es zu wenig Arbeit gibt oder die Arbeit an sich zu einfach ist – oder: weil der Arbeitnehmer zu wenig Verantwortung bekommt, um etwas zu gestalten oder zu verändern. Er könnte mehr leisten, darf es aber nicht.

Alle Gründe bewirken, dass sich der unterforderte Mitarbeiter unzufrieden und nutzlos fühlt.

Um zu vermeiden, dass sein Leiden von Kollegen oder Vorgesetzten entdeckt wird, investiert der Unterforderte seine überschüssige Energie oft in Tarnungsstrategien. Er tut alles, um nach außen (oder auch sich selbst gegenüber) den Eindruck zu erwecken, gebraucht zu werden und viel zu tun zu haben:

Zum Beispiel  werden umfangreiche und in diesem Umfang überflüssige Internet-Recherchen vorgenommen, Spiele gespielt oder private Dinge erledigt. Und per Mausklick lässt es sich schnell auf eine Arbeitsdatei umschalten, sobald die Gefahr besteht, dass im Vorbeigehen jemand einen Blick auf den Bildschirm wirft.

Nachdem viele Stunden Arbeitszeit sozusagen vergeudet wurden, werden dann trotzdem Überstunden gemacht oder Unterlagen mit nach Hause genommen. Aufgaben werden generell entweder unnötig in die Länge gezogen oder aber auffällig schnell und effektiv erledigt, um das Gefühl zu bekommen, besonders engagiert zu sein.

Natürlich ist es aus meiner Sicht in erster Linie ein Führungsthema: Als Führungskraft muss ich es bemerken, wenn ein Mitarbeiter boreout-gefährdet ist.

In dem Fall liegt es an mir, dem Mitarbeiter anspruchsvollere Aufgaben zu übertragen, ihm entsprechende Weiterbildungsmaßnahmen anzubieten und ihn generell mehr an Projekten zu beteiligen.

Ein Coaching-Kunde erzählte mir einmal von einem Mitarbeiter, der im Boreout war (samt Krankenstand) – er als Führungskraft hatte diese Entwicklung monatelang nicht bemerkt! Seine Erkenntnis: Klare Ziele und Aufgaben, regelmäßige Reflexionsrunden, Regelkommunikation unter 4 Augen – reden, reden, reden…

„Unser größter Feind ist die Langeweile.“ Voltaire

Autor: Alfred Freudenthaler, MSc

Alfred Freudenthaler, MSc

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