Empathie ergänzt rhetorische Schlagfertigkeit

Im harten Business bestehen, führt manchmal dazu, bestimmte Stärken übermäßig stark auszuprägen. So auch bei einem meiner Klienten, der ein rhetorisch brillanter Redner ist, ein ausgezeichneter Verhandler und in Diskussionen seine Standpunkte auch gegen großen Widerstand durchbringen kann. Und er hat gerne die Lacher auf seiner Seite. Mitunter diese Fähigkeiten haben ihn in eine gehobene Position im Vertrieb gebracht.

Was sich bei Präsentationen vor größeren Gruppen und in Verhandlungen meist als große Stärke zeigt, ist im internen Umgang – vor allem im eigenen Team – nicht so angesehen. Wie ihm schon des Öfteren „zugetragen“ wurde, wird er gerne als arrogant und … bezeichnet. Nachdem sein Selbstbewusstsein sehr gut ausgestattet ist, hat er dem anfänglich keinen Wert beigemessen.

Nun liegen die Ergebnisse aus dem letzten 360-Grad-Feedback vor – und aufgrund dessen sieht er sehr wohl einen Änderungsbedarf in seinem Kommunikationsstil. Nicht nur das eigene Vertriebsteam samt Backoffice, auch einige Kundenmeinungen haben ihn zum Nachdenken gebracht.

Sein ursprüngliches Anliegen ging in die Richtung, sprachlich noch präziser zu agieren. Wir konnten uns schnell darauf einigen, dass diese Stärke ausreichend ausgeprägt ist (um nicht zu sagen, sie wird eher überzogen eingesetzt) und es darum geht, Empathie und emotionale Kompetenz zur sachlich-rhetorischen Kompetenz dazuzunehmen. Dahingehend wurden auch die Coaching-Ziele formuliert.

Hier einige Empathie-Elemente zur Komplettierung der rhetorischen Kompetenz, die im Coaching Grundlage der Diskussion für den praktischen Einsatz sind  …

  • Sind in einem Gespräch, in einer Diskussion Emotionen mit im Spiel, gilt der Grundsatz: Zuerst die Emotion, dann erst die Sache. Mit dem Einsatz von Zauberwörtern und entgegenkommenden Formulierungen kann die Schärfe herausgenommen werden.
  • Kommen in Diskussionen Einwände, so braucht es mediative Elemente, die den Einwand würdigen, anstatt ihn rhetorisch vom Tisch zu wischen. Hier braucht es zudem meist eine Alternative zum berühmten Ja, Aber.
  • Bei Vorwänden und Killerphrasen kommt man mit dem respektvollen Kontern weiter als mit dem Abschmettern der vorgebrachten „Argumente“.
  • Humor ist natürlich sehr oft ein Zaubermittel. Jedoch: Ist das Gegenüber verärgert, gekränkt oder traurig, dann ist Verständnis die angebrachte Variante. Besser einmal die Lacher nicht auf seiner Seite zu haben, dafür aber auch niemanden zu kränken, zurückzuweisen oder zu verletzen.
  • Sich grundsätzlich mit seinen Gesprächspartner*innen mental auseinandersetzen, sich für sie als Menschen interessieren: Was ist ihnen wichtig? Was liegt ihnen am Herzen? Was wollen sie nicht? Welche Interessen und Motive leiten sie? Was ist uns gemeinsam? Welche gemeinsamen Ziele streben wir an?
  • Ausgehend von einigen 360-Grad-Feedback-Meldungen haben wir uns körpersprachlich angeschaut, wo versteckte Signale der Abwertung sowie von Acht- und Respektlosigkeit liegen könnten. Um die positive Seite dazu zu entwickeln, widmen wir uns den vielen möglichen kleinen Signale der Wertschätzung im kommunikativen Alltag.

Der Klient ist sehr aufgeschlossen, mehr Empathie in sein Leben und in seinen Kommunikationsstil zu bringen. Er hat sich auch zu einem Achtsamkeitstraining angemeldet und fühlt sich sehr wohl dabei. 14tägig besprechen wir die Fortschritte.

Bild: Elisabeth Stöllinger

 

Autor: Mag. Elisabeth Stöllinger

Mag. Elisabeth Stöllinger

Homepage: http://www.stoellinger.at

Telefon: +43-676-4324899

Weitere Infos siehe Mag. Elisabeth Stöllinger

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