Es gibt zu wenig Anerkennung!

 

 

 

Glaubt man einer Umfrage des Wiener Online-Start-ups Kraftwerk Anerkennung http://kW-a.com, erhalten Beschäftigte in deutschen und österreichischen Unternehmen nur alle 75 Tage Anerkennung für ihre Arbeit, wobei langjährige Mitarbeiter nur noch alle 100 Tage ein Stück vom Anerkennungskuchen abkriegen!

 

Auch wenn diese Zahlen übertrieben erscheinen: im Kern bestätigen sie meine eigenen Erfahrungen. Viele meiner Kund/innen thematisieren dieses Thema im Coaching, wobei sich dabei folgendes Phänomen zeigt: die Führungskräfte räumen zwar ein, dass sie noch mehr Anerkennung geben könnten, zeigen sich aber in Summe nicht unzufrieden mit ihrem eigenen Anerkennungs-Verhalten. Die Mitarbeiter/innen allerdings sind wesentlich unzufriedener!

Zu diesem Paradoxon führt die o. a. Studie folgende Zahlen an: Mehr als 81 Prozent der befragten Führungskräfte geben an, häufig Lob oder Anerkennung auszusprechen. Dem gegenüber meinen 67 Prozent der Mitarbeiter, nur selten Anerkennung zu erhalten!

Anerkennung ist also eher selten zu finden, dies liegt u. a. daran, dass

  • kein Sachzwang zur Anerkennung besteht (wie bei negativer Kritik),
  • gute Leistung „selbstverständlich“ ist („Sie bekommen Ihr Gehalt, warum auch noch Lob?“  oder „Nichts gesagt ist genug gelobt!“),
  • Anerkennung „ein Grund für eine Gehaltsforderung werden könnte“,
  • negative Vorbildwirkung besteht (der eigene Chef lobt schon zu wenig).

Andererseits gibt es auch von Mitarbeiterseite oft Vorbehalte gegen Anerkennung.

Mögliche Ursachen dafür:

  • Anerkennung wird häufig als Einleitung zu negativer Kritik eingesetzt.
  • Anerkennung wird als Motivation eingesetzt, um unangenehme Aufgaben zu

übertragen.

  • Anerkennung wird als Floskel empfunden, wenn üblicherweise gute Leistungen als selbstverständlich gelten.
  • Anerkennung wird im eigenen Interesse eingesetzt (z. B. Lob an die Mitarbeiter in Anwesenheit des eigenen Vorgesetzten).
  • Anerkennung kann in Widerspruch zu dem sonst üblichen Verhalten der Führungskraft
  • Anerkennung kann aufgrund von gelernten Botschaften wie z. B. „Lob steht mir nicht zu“, „Das war doch nicht perfekt“ etc. nicht angenommen werden.

Übrigens: Anerkennung ist besser als Lob. Bei Lob rutschen Führungskräfte schnell in eine Eltern-Position gegenüber den Mitarbeitern: „Braves Kind…“ (Aber: Lob ist besser als gar nichts!).

Anerkennung hingegen bringt die Wertschätzung einer konkreten Stärke zum Ausdruck.

Empfehlungen für Anerkennung

1. Anerkennung soll selbstverständlich sein.

(genauso alltäglich wie Kritik).

2. Anerkennung muss glaubwürdig sein.

Anerkennung steigert das Selbstwertgefühl – wenn sie echt gemeint ist. Nur dann kann Anerkennung auch wirksam sein. Gespielte Anerkennung wird als Floskel entlarvt.

3. Anerkennung muss angemessen sein.

(nicht schematisch, übertrieben, sondern in eigenen Worten).

4. Anerkennung muss Selbstzweck sein.

Anerkennung als Manipulation verfehlt – zumindest auf Dauer – ihre Wirkung.

5. Anerkennung muss begründet sein.

Es gibt tendenziell ein großes Misstrauen gegenüber Anerkennung. Deshalb ist eine überzeugende Begründung auch hier wichtig (wie bei Kritik)!

Autor: Alfred Freudenthaler, MSc

Alfred Freudenthaler, MSc

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