MitarbeiterInnen mit Orientierung

So wie der Sinn des Lebens nicht vom Sinn in der Arbeit zu trennen ist, gilt es auch für Orientierung: Menschen brauchen – um gesund und zufrieden zu sein – auch Orientierung im Privatleben. Je besser sie ihre Bedürfnisse und Vorlieben kennen, je genauer sie wissen, welche Vorstellungen und Ziele sie für ihr gesamtes Leben haben und wie sie diese verwirklichen können, umso ausgeglichener und energiegeladener werden sie auch im Berufsleben agieren können. Fehlt diese private Klarheit jedoch, werden sich daraus resultierende Spannungen und innere Konflikte negativ auf Motivation und Leistungsfähigkeit auch im Beruf auswirken.

Erfolgreiche Unternehmen haben demnach höchstes Interesse an Mitarbeitern, die sich umfassend Orientierung für ihr Leben verschaffen wollen – und sind zunehmend bereit, sie bei diesem Prozess zu unterstützen. Eine Investition, die sich durch die Loyalität und Motivation der Mitarbeiter, die ihre Stärken dadurch noch bewusster einsetzen können und wollen,

Im Rahmen von Mitarbeitergesprächen empfehlen wir, die Entwicklungs- und Karriereplanung der Mitarbeiter als Teil der Führungsarbeit sehr ernst zu nehmen. Fragen zum geplanten Stellenwert des Berufs im Gesamtkonzept Leben und zur geeigneten Art der Tätigkeit sowie Karrierewünsche bzw. –eignung sind dabei Themen, die zu klären sind und für mehr Orientierung sorgen. Darüber hinaus sind Angebote wie Karriereplanung und –beratung oder Standort- und Potenzialanalysen von zentralen Stellen oder auch in Zusammenarbeit mit externen Experten überaus hilfreich.

Innerbetriebliches Coaching und Mentoring oder Seminare zur integrierten Lebens- und Berufsplanung gehen noch stärker in den privaten Lebensbereich des Mitarbeiters und sind damit sinnvolle Ergänzung zur Orientierungsaufgabe der Führungskraft. Lebensberatung im engsten Sinne kann zusätzlich durch ausschließlich externes Coaching und Seminare angeboten werden.

Achtung: bei all diesen Maßnahmen ist es besonders wichtig, dass sie von den Mitarbeitern als Angebot und nicht als Verpflichtung empfunden werden. Manche Menschen möchten eine klare Grenze zwischen Beruf und Privatbereich ziehen. Sie würden verpflichtende Aktivitäten als Grenzüberschreitung seitens des Unternehmens empfinden. Aus Mitarbeiterbefragungen wissen wir jedoch auch, dass viele Mitarbeiter Unterstützungen dieser Art sehr wohl schätzen und sich dadurch stärker an das Unternehmen gebunden fühlen. Viele Führungskräfte befürchten zwar, ihre Mitarbeiter könnten kündigen, sobald sie sie anregen, über ihre Lebensziele nachzudenken – erfahrungsgemäß ist genau das Gegenteil der Fall.

Dennoch: häufig resultieren aus diesen Maßnahmen zur Orientierung der Mitarbeiter Konsequenzen, die – zusätzlich zu erhöhter Motivation und Loyalität – Änderungen im Berufsleben nach sich ziehen. Mitarbeiter finden dabei heraus, was ihnen im Leben wichtig ist und wie sie es für sich optimal gestalten können. Damit ändern sich unter Umständen auch berufliche Ziele und Erwartungen. So kann der Wunsch nach einer anderen Tätigkeit innerhalb des Unternehmens, dem der Mitarbeiter sich loyal verbunden fühlt, entstehen. Das mag für die einzelne Führungskraft einerseits ein Verlust sein, andererseits ihr Image als gute Führungskraft, die für die Entwicklung ihrer Mitarbeiter sorgt, stärken. Für das gesamte Unternehmen ist es ein Gewinn, wenn ein Mitarbeiter seine Neigungen und Stärken in einer bestimmten Position ausleben und damit dem Arbeitgeber optimalen Nutzen bieten kann. Ein anderer Mitarbeiter mag sehr wohl auch erkennen, dass er weniger (Teilzeit) oder – teilweise – anders (zum Beispiel Home Office) arbeiten will. Andere Mitarbeiter wiederum stellen fest, dass ihnen die Balance zwischen Berufs- und Privatleben (Work-Life-Balance) generell sehr wichtig ist – und dass sie sich ein Unternehmen wünschen, das dieses Gleichgewicht respektiert und unterstützt. Einschneidende Änderungen für das berufliches Umfeld, gewiss. Die Motivation der Mitarbeiter, die ihren Bedürfnissen mit Hilfe des Unternehmens nachkommen können, wird diesen Einsatz rechtfertigen. Die Notwendigkeit, kompetente und damit wertvolle Mitarbeiter ins Unternehmen zu bekommen und dort zu halten, lässt es immer weniger zu, diese Bedürfnisse zu ignorieren. Maßnahmen, die helfen, die berufliche und private Situation der Mitarbeiter in ein gutes Gleichgewicht zu bringen, und damit auch dem Anspruch der Nachhaltigkeit dienen, sind also die logische Konsequenz.

Autor: Mag. Gerhard Ratz

Mag. Gerhard Ratz

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