Muss man immer erreichbar sein?

Es ist Weihnachtszeit und Jahreswechsel. Viele machen Urlaub. Und die, die nicht frei haben, freuen sich zumindest über die arbeitsfreien Feiertage. Abschalten, ausruhen, die Akkus auftanken. Zeit mit der Familie verbringen und Dinge tun, die Freude bereiten.

Die Realität schaut allerdings oftmals ganz anders aus. Laut einer repräsentativen Umfrage des Digitalverbands Bitkom bleiben rund 65 Prozent der Berufstätigen für ihren Chef, den Vorgesetzten oder die Kollegen erreichbar. Ihr Handy ist immer in Reichweite. Vor allem auf Kurznachrichten wird trotz Urlaubs reagiert. Im Vergleich zum Vorjahr, als noch 71 Prozent eine ständige Erreichbarkeit im Urlaub angaben, ging die Zahl zwar zurück, sie bewegt sich aber immer noch auf hohem Niveau.
Als Grund weshalb sie sich auch in ihrer freien Zeit um dienstliche Anliegen kümmern, gab mehr als die Hälfte der Befragten (55 Prozent) an, dass ihre Vorgesetzten dies von ihnen erwarten würden. Mehr als ein Drittel (37 Prozent) denkt, sie erfüllen damit die Erwartungen ihrer Kollegen. Dabei ist man keineswegs dazu verpflichtet, da ist das Arbeitszeitgesetz ziemlich genau: An Sonn- und gesetzlichen Feiertagen gilt ein Beschäftigungsverbot. Wer frei hat, schuldet dem Arbeitgeber keine Erreichbarkeit. Ausnahmen gelten für leitende Angestellte und Berufe, in denen die Arbeit nicht auf einen Werktag verschoben werden kann, also für Krankenhäuser, Pflege- und Rettungsdienste, Verkehrsbetriebe oder Gaststätten.

Auch wer ein Diensthandy hat, muss nicht auch automatisch jederzeit erreichbar sein. Ein Firmenhandy verpflichtet nicht zur Rufbereitschaft. Diese muss ausdrücklich vereinbart werden. Und eine Unterbrechung des Urlaubs ist nur in betrieblichen Notfällen gerechtfertigt und dann auch entsprechend zu entlohnen.

Ständige Erreichbarkeit kann krankmachen
Mitarbeiter die immerzu verfügbar sind und nie wirkliche Ruhezeiten haben, setzen letztlich nicht nur ihre Gesundheit, sondern auch ihre Arbeits- und Leistungsfähigkeit auf Spiel. Die Fehleranfälligkeit steigt, die Konzentration sinkt. Die ständige Konfrontation mit der Arbeit führt zu Überbelastung, im schlimmsten Falle sogar zu Burnout und langen Ausfallzeiten. Wer im Urlaub, nach Dienstschluss, am Wochenende und an Feiertagen also richtig und konsequent abschaltet, tut das immer auch im Interesse des Unternehmens. Vor allem jüngere Arbeitnehmer scheinen mittlerweile umzudenken und Wert darauf zu legen, im Urlaub und nach Dienstschluss nicht kontaktiert zu werden

Was Sie tun können, wenn der Chef anruft?
Wenn Sie immer an Feiertagen und im Urlaub erreichbar waren, wird Ihr Chef von dem Gewohnheitsrecht wahrscheinlich auch weiterhin Gebrauch machen. Es ist an Ihnen, eine Änderung zu verlangen. Sollte also Ihr Telefon die nächsten Tage klingeln, wünschen Sie Ihrem Chef frohe Feiertage und ein gutes neues Jahr und vereinbaren Sie zugleich einen Termin, in dem sie gemeinsam die Anrufregelungen für die Zukunft vereinbaren und festigen werden.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine ruhige und freie Zeit. Lassen Sie es sich gut gehen! Ihre Juliane Müller.

Foto pixabay

Autor: Juliane Müller

Juliane Müller

Homepage: http://www.julianemueller.at

Telefon: +43-662-62583624

Weitere Infos siehe Juliane Müller

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