Positive Fehlerkultur – Praxistipps

Aus meiner Sicht sind zwei Schwerpunkte in Organisationen zu bearbeiten:

  1. Wie kommen wir zu einer positiven Fehlerkultur und wer kann dazu beitragen?
  2. Mit welcher Organisation, mit welchem System können wir Fehler minimieren?

 

Zum Punkt 1:

Positive Fehlerkultur bedeutet für mich, dass für alle MitarbeiterInnen klar sein muss, wie mit Fehlern umgegangen wird. Fehler sind Lernmöglichkeiten, Fehler sollen und müssen offen angesprochen werden, damit alle davon lernen können. Vor dem Fehlermachen und –aufzeigen darf niemand Angst haben. Es darf keine Doppelmoral geben. Das bedeutet, offiziell werden Fehler zwar positiv dargestellt, im Hintergrund aber gibt es Schuldzuweisungen und „Hinrichtungen“. Wenn das passiert, wird nie wieder jemand den Mund aufmachen.
Fehlerkultur wird primär von den Führungskräften geprägt, vom mittleren Management. Und vor allem für dieses ist es besonders schwierig, wenn die Fehlerkultur von oben anders vorgelebt wird. Als Sandwich wird niemand auf Dauer glücklich.
Andererseits darf aber Fehlerkultur auch nicht bedeuten, den gleichen Fehler immer wieder zu machen, auch nicht, dass es nie Konsequenzen geben darf. Jedoch sollen Konsequenzen offen getroffen, besprochen und kommuniziert werden.

Ziel einer positiven Fehlerkultur sollte es sein, dass sich alle MitarbeiterInnen freiwillig und ohne Angst darauf konzentrieren, klar und überlegt zu handeln, sodass Fehler gar nicht erst passieren. Sollte es zu einem Fehler kommen, sollte er ohne Schuldzuweisungen und –gefühle besprochen und überlegt werden, was die ganze Organisation tun kann, damit er nicht mehr passiert.

 

Zum Punkt 2:

In vielen Organisationen werden im Rahmen von Qualitätsmanagement-Systemen Rahmenbedingungen geschaffen, um strukturell Fehler zu vermeiden und als Gesamtheit zu lernen. Dazu wird oft ein Dreischritt angedacht:

  • Fehler vermeiden durch

Qualitätsmanagement-Systeme & Prozessbeschreibungen
Konzepte & Checklisten

  • Fehler(anonym)melden

Critical Incident Reporting System
Vorschlagswesen

  • Fehler für die Qualitätsentwicklung & Lernen nutzen

Thematisierung in Teamsitzungen, Nachbesprechungen, Debriefings, Lessons
Learned, Supervision oder Intervision
Workshops zur Qualitätsentwicklung, die es erlauben, zu lernen um
Arbeits- prozesse, Instrumente und auch Strukturen zu verbessern
(z. B. Qualitätszirkel)

 

Literatur

  • Herzig, Michael (2017): Fehlerkultur: Was ist ein produktiver Umgang mit Fehlern? White Paper, Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Institut für Sozialmanagement.
  • Zapf, Dieter/Frese, Michael/Brodbeck, Felix C. (1999): Fehler und Fehlermanagement. In: D. Frey, C. Graf Hoyos & D. Stahlberg. Arbeits- und Organisations-Psychologie, Weihneim: Beltz Verlag, S. 398-411.
  • Schüttelkopf, Elke M. (2007): Erfolgsstrategie Fehlerkultur! Wie Organisationend durch einen professionellen Umgang mit Fehlern ihre Performance optimieren.
  • Keith, N., & Frese, M. (2010): Enhancing firm performance and innovativeness through error management culture. In N.M. Ashkanasy, C.P.M. Wilderom & M.F. Peterson (Eds).), The handbook of organizational culture & climate (2nd ed., pp. 137-157). Thousand Oaks, CA: Sage.

Autor: Mag. Gerhard Ratz

Mag. Gerhard Ratz

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