Praktische Tipps zur Unternehmensübergabe

  1. Zeitpunkt

Beginnen Sie frühzeitig mit der Planung. Experten gehen von einer Übergabezeitdauer von durchschnittlich drei bis fünf Jahren aus. Entscheidend ist aber der Zeitpunkt, ab dem der Familienunternehmer über die Regelung seiner Nachfolge nachdenkt und Informationen einholt, um sich über die Art seiner Nachfolge und den voraussichtlichen Zeitpunkt der Übergabe des Familienunternehmens klar zu werden.

  1. Nachfolge

Im Gegensatz zu angestellten Geschäftsführern haben Sie als Familienunternehmer die Pflicht, die eigene Nachfolge zu regeln. Hier stellen sich zwei Kernfragen:

  • Sind die in Frage kommenden Personen überhaupt bereit, die Nachfolge anzutreten? Häufig scheint es ja bereits von der Kindheit an klar zu sein, dass z. B. der Sohn die Nachfolge antreten wird. Ist das auch tatsächlich der Wunsch des Sohnes – oder ist es vielleicht eher ein Wunschdenken der Eltern? Dieser Frage gilt es auf den Grund zu gehen.
  • Verfügen die in Frage kommenden Personen bereits über die erforderlichen Kompetenzen? Dabei geht es nicht nur um Fachwissen und unternehmerisches Denken, sondern auch um Praxiserfahrung (idealerweise auch in anderen Unternehmen) und Führungskompetenz. Besser als z. B. die Frage „Was bringt der Sohn schon alles mit?“ ist es, ein Anforderungsprofil für den möglichen Nachfolger zu erstellen. Dann wird in der Regel schnell klar, welche Personen überhaupt in Frage kommen und welche Kompetenzen u. U. noch entwickelt werden müssen.

Wenn die Antworten auf diese Fragen zeigen, dass niemand aus der Familie in Frage kommt, überlegen Sie ohne Tabus Alternativen (Verkauf/Management Buy Out, angestellter Geschäftsführer, …).

  1. Loslassen

Ihr Nachfolger wird das Unternehmen (Ihr Unternehmen!) anders führen als Sie – das gilt es zu akzeptieren. Vermeiden Sie daher unbedingt Kritik vor Dritten, damit untergraben Sie die Autorität Ihres Nachfolgers. Entwickeln Sie stattdessen gemeinsam einen detaillierten Zeitplan für die Übergabe, inkl. dem Zeitpunkt Ihres vollständigen Rückzuges. Verzichten Sie dabei auf einen schrittweisen Rückzug, indem Sie z. B. einen Konsulentenvertrag auf unbestimmte Zeit erhalten.

  1. Information

Informieren Sie möglichst zeitgerecht und transparent – ansonsten entsteht bei Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten eine Verunsicherung, die sich schädlich auf das Unternehmen auswirken kann. Verbringen Sie möglichst viel Zeit mit Ihrem Nachfolger und reden Sie auch über die Werte des Unternehmens – also darüber, wofür Ihr Unternehmen steht.

  1. Die Zeit danach

Als Familienunternehmer ist nicht nur Ihr berufliches Leben stark mit dem Unternehmen verknüpft. Sie brauchen daher eine neue Lebensaufgabe, die für Sie sinnstiftend ist. Viele Unternehmer fürchten sich vor dem drohenden Verlust von Macht und Einfluss. Tatsache ist jedoch, dass die Übergabe mit einem Bedeutungsverlust verbunden ist.

Über Ihre neue Lebensaufgabe sollten Sie sich ebenfalls bereits frühzeitig Gedanken machen – ein begleitendes Coaching kann dabei sehr nützlich sein!

Autor: Alfred Freudenthaler, MSc

Alfred Freudenthaler, MSc

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