Praxistipps: Mit dem VIA zu den 24 Charakterstärken

Das Flaggschiff der Stärkenforschung aus der Positiven Psychologie ist der VIA-Test (VIA = Values in Action).

Er beruht auf dem Peterson-Seligman-Modell (2004) und ist an der Universität Zürich unter Prof. Willibald Ruch als VIA-IS wissenschaftlich validiert und weiterentwickelt worden. Ein 10köpfiges Forscherteam an der Uni Zürich arbeitet laufend an den Grundlagen und praktischen Anwendungen der Charakterstärken.

Derzeit stehen zwei kostenfreie, wissenschaftlich validierte VIA-Varianten zur Verfügung:

Was wird im VIA-IS bzw. im VIA gemessen?

Die Eckpfeiler der Positiven Psychologie sind Charakterstärken und Tugenden = Bereiche, in denen Menschen sich entwickeln, blühen und gedeihen können. Das Messinstrument für das Stärken- und Tugend-Modell ist der VIA. Im VIA ist der Charakter in einem hierarchisch geordneten Konzept mit 6 Tugenden und insgesamt 24 Charakterstärken dargestellt. Die 6 Tugenden sind Weisheit und Wissen – Mut – Menschlichkeit  – Gerechtigkeit – Mäßigung – Transzendenz.

Hier die Kurz–Beschreibung der 6 Tugenden mit den jeweils zugeordneten Charakterstärken (insgesamt 24) – zusammengestellt lt. der VIA-IS Interpretationshilfe (herausgegeben vom Psychologischen Institut der Universität Zürich, Fachrichtung Persönlichkeitspsychologie und Diagnostik) sowie einiger Auswertungsvarianten:

1. Weisheit und Wissen: Kognitive Stärken, die den Erwerb und den Gebrauch von Wissen beinhalten.

  • Weisheit: in der Lage sein, guten Rat zu geben; guter Überblick und reife Sichtweise vom Leben.
  • Kreativität: neue und effektive Wege finden, Dinge zu tun; ausgeprägtes Denken über neue Problemlösungswege.
  • Neugier und Interesse: Interesse an der Umwelt haben; neugierige Menschen erforschen und entdecken gerne die Welt.
  • Urteilsvermögen: Dinge durchdenken und von allen Seiten betrachten (= verschiedene Perspektiven einnehmen); keine schnellen Schlussfolgerungen ziehen und sich bei Entscheidungen auf Tatsachen verlassen.
  • Liebe zum Lernen: sich neue Fähigkeiten und Fertigkeiten aneignen; vorhandenes Wissen ausbauen; vom Lernen begeistert sein.
  • Weisheit: in der Lage sein, guten Rat zu geben; guter Überblick und reife Sichtweise vom Leben.

2. Mut: Emotionale Stärken, die mittels der Ausübung von Willensleistung internale und externale Barrieren zur Erreichung eines Zieles überwinden.

  • Ehrlichkeit: die Wahrheit sagen und danach leben; den eigenen Prinzipien treu bleiben; mit beiden Beinen am Boden stehen und nichts vortäuschen (sich natürlich geben).
  • Mut: Herausforderungen annehmen; sich Bedrohung oder Schmerz nicht beugen; trotz Widerständen zur eigenen Meinung und Überzeugung stehen.
  • Beharrlichkeit und Fleiß: beenden, was begonnen wurde, auch wenn Schwierigkeiten auftauchen. Zufriedenheit in der Aufgabenerfüllung erleben.
  • Begeisterungsfähigkeit: der Welt mit Begeisterung und Energie begegnen; mit Enthusiasmus nach Zielen streben.

3. Menschlichkeit: Interpersonale Stärken, die liebevolle menschliche Interaktionen ermöglichen.

  • Freundlichkeit/Großzügigkeit: Menschen gerne einen Gefallen tun; es genießen, großzügig und nett zu anderen Menschen zu sein.
  • Bindungsfähigkeit/Fähigkeit zu lieben: menschliche Nähe herstellen können.
  • Soziale Intelligenz/soziale Kompetenz: sich der Motive und Gefühle von sich selbst und anderen bewusst sein; wissen, wie sich in unterschiedlichen sozialen Situationen verhalten.

4. Gerechtigkeit: Stärken, die das Gemeinwesen fördern.

  • Fairness: Menschen nach dem Prinzip der Gleichheit und Gerechtigkeit behandeln; sich bei Entscheidungen nicht von persönlichen Gefühlen beeinflussen lassen und allen eine Chance geben.
  • Führungsvermögen: Aktivitäten organisieren und dafür sorgen, dass sie auch erledigt werden; Gruppen bei Aufgaben und Problemlösungen unterstützen; für ein arbeitsförderndes Klima sorgen.
  • Teamfähigkeit: gut als Mitglied eines Teams arbeiten; loyal; die Gruppenzugehörigkeit als zentralen Faktor betrachten.

5. Mäßigung: Stärken, die allzu großen Extremen entgegenwirken.

  • Vergebungsbereitschaft: höhere Bereitschaft, anderen ihre Fehler zu vergeben/verzeihen; anderen eine zweite Chance geben; zentrales Prinzip: „Gnade vor Rache“.
  • Bescheidenheit: muss nicht unbedingt im Mittelpunkt stehen; das Erreichte für sich sprechen lassen.
  • Umsicht/Vorsicht: über die Konsequenzen von Entscheidungen nachdenken; nichts tun oder sagen, was später bereut werden könnte.
  • Selbstregulation: diszipliniert; in der Lage, Gefühle und Verhalten zu regulieren.

6. Transzendenz: Stärken, die uns einer höheren Macht näher bringen und Sinn stiften.

  • Sinn für das Schöne: ausgeprägtes Interesse an Schönheit und Leistungen in verschiedenen Lebensbereichen (z. B. Natur, Musik, Kunst, Wissenschaft, alltägliche Erfahrungen); schöne Dinge bewusst wahrnehmen und sich darüber freuen.
  • Dankbarkeit: sich der guten Dinge bewusst sein und sie zu schätzen wissen; sich Zeit dafür nehmen, um Dankbarkeit auszudrücken.
  • Optimismus: das Beste erwarten und daran arbeiten, es zu erreichen.
  • Humor: Lachen und Humor schätzen; die Leute gerne zum Lachen bringen.
  • Spiritualität: starke und kohärente Überzeugungen über den Sinn und Zweck des Universums.

Wenn Sie Interesse haben, diese Perspektive der Stärkenorientierung für sich auszuprobieren, dann können Sie den VIA  anhand der o. a. Links für sich durchführen. Sie bekommen mit der Auswertung eine ausführlichere Beschreibung der 24 Charakterstärken. Zur 240-Fragen-Version können Sie sich zusätzlich eine Interpretationshilfe herunterladen; bei der 120-Fragen-Version gibt es auch kostenpflichtige Varianten der Auswertung, die noch mehr ins Detail gehen.

Sich mit den eigenen Stärken auseinanderzusetzen, kann ein lebenslanger Prozess sein; Neuentdeckungen und Wandlungen sind bis ins hohe Alter – wie man heute aus der Gehirnforschung weiß – möglich!

Autor: Mag. Elisabeth Stöllinger

Mag. Elisabeth Stöllinger

Homepage: http://www.stoellinger.at

Telefon: +43-676-4324899

Weitere Infos siehe Mag. Elisabeth Stöllinger

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