Tagebuch zum Glück

 

 

 

 

Vielleicht denken Sie spontan: „Tagebuch schreiben ist vielleicht etwas für Teenager – und selbst für die ist es wahrscheinlich heutzutage antiquiert!“

 

Dann wenden wir uns der modernen Glücksforschung zu: Aus psychologischer Perspektive sind Denken und Schreiben sehr unterschiedlich. Denken ist oft etwas unstrukturiert, desorganisiert oder gar chaotisch. Schreiben dagegen schafft eine Struktur, die dabei hilft, dem geschehenen einen Sinn zu verleihen und auf eine Lösung hin zu arbeiten. Sprechen kann also das Gefühl der Verwirrung vergrößern, während Schreiben einen systematischeren Ansatz darstellt.

Interessant sind dabei die Forschungen zur Psychologie der Dankbarkeit. Wenn z. B. eine Person einen Raum betritt, der nach frisch gebackenem Brot riecht, nimmt sie dieses angenehme Aroma sofort wahr. Je länger sie allerdings in dem Raum bleibt, desto mehr scheint der Geruch zu verschwinden. Die einzige Möglichkeit, ihn erneut wahrzunehmen, ist es, den Raum zu verlassen und erneut zu betreten.

Genau dasselbe gilt für viele Bereiche unseres Lebens. Wir alle haben vieles, das uns glücklich macht. Mit der Zeit gewöhnen wir uns daran und genau wie der geruch nach frischem Brot verschwinden diese Glücks-Vermögenswerte aus unserem Bewusstsein.

Die Psychologen R. Emmons und M. McCullough untersuchten diesen Aspekt (Counting blessings versus burdens: An experimental investigation of gratitude and subjective well-being in daily life, Journal of Personality and Social Psychology, 84, 2003).

Sie baten drei Gruppen von Personen, jede Woche etwas zu schreiben. Die erste Gruppe nannte fünf Dinge, für die sie dankbar war, die zweite Gruppe schrieb fünf Dinge, die ihr auf die Nerven gingen und die dritte Gruppe notierte fünf Ereignisse, die in der Woche geschahen.

Die Ergebnisse sprachen für sich: Im Vergleich zu den Leuten in der „Ärger“- oder „Ereignis“-Gruppe waren die Mitglieder der „Dankbarkeits“-Gruppe am Ende zufriedener, optimistischer mit Blick auf die Zukunft, körperlich gesünder und bewegten sich auch deutlich mehr!

Diese Maßnahme ist einfach, schnell umzusetzen und gratis – probieren Sie’s einmal!

Autor: Alfred Freudenthaler, MSc

Alfred Freudenthaler, MSc

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