Umgang mit herausfordernden Vorgesetzten

Die Ausgangssituation: Mein Coaching-Kunde wurde aus einem bestehenden Team heraus zur Führungskraft in einem südbayerischen, mittelständischen Unternehmen ernannt. Sein Vorgänger war nach langer Krankheit nicht mehr zurückgekehrt und aus dem Betrieb ausgeschieden. Seit es diese Planstelle gibt, war er bereits der dritte Kandidat, der sich nicht länger als ein Jahr halten konnte. Es handelte sich bei der Stelle ganz offensichtlich um eine „Schleudersitz-Position“. Das Team drum herum war entsprechend geschwächt. Beim Check des Organigramms war für mich schnell klar: Es muss sich etwas in der Struktur ändern, um keine dauerhafte „Sollbruchstelle“ zu installieren.

Persönlichkeitscoaching schärft den Blick
– auf sich selbst und die anderen

Zunächst konzentrierten wir uns aber auf meinen Coachee und seine neue Situation. Der interne Aufstieg aus den eigenen Reihen in eine höhere Position ist oftmals mit Schwierigkeiten verbunden. Wenn aus einem Teammitglied der Teamleiter wird, sorgt das für Reibungen. Deshalb sollte mein Kunde ein Coaching bekommen, bei dem es unter anderem darum ging:

  • Sich und die anderen im Rahmen ihrer Persönlichkeitsentwicklung besser kennenzulernen.
  • Sich Respekt verschaffen zu können.
  • Die Mitarbeiter bei der Stange zu halten, zu motivieren und in die Eigenverantwortung zu führen, damit sie selbstbestimmt arbeiten und das große Ganze sehen.
  • Umständliche Prozesse aufs Wesentliche zu kürzen und zugleich von allen Abteilungsleitern erwirken zu können, was notwendig für die Entwicklung des jeweiligen Projektes und die Aufbereitung repräsentativer Berichte ist.
  • Den Wert der Abteilung nach oben zu schrauben.

Als Methode für die so entscheidenden Knackpunkte im zwischenmenschlichen Bereich habe ich das „persolog ® DISG Modell“ gewählt, bei dem es vor allem um das Verständnis für die eigene Persönlichkeit aber auch die der anderen geht. Ziel ist es, sich und sein Umfeld besser zu verstehen, Verhaltensmuster zu erkennen und gegebenenfalls zu verändern.

Der Coachingablauf orientierte sich an diesen Schritten:

  • Erarbeiten des eigenen Persönlichkeits-Profils
  • Einschätzung eigener Verhaltensweisen und der Verhaltensweisen anderer
  • Was heißt erfolgreiche Persönlichkeit?
  • Entwicklung von Erfolgsstrategien
  • Persönlichkeitstraining in der Praxis
  • Fallstudien zum Verhalten
  • Analyse von Stärken und Schwächen
  • Persönliche Zielsetzung für den Alltag

Auch der Chef ist nur ein Mensch

Zurück zur „Sollbruchstelle“, die in diesem Fall mit dem Vorgesetzten meines Klienten zu tun hatte, der sich wie oben beschrieben im Coaching mit der eigenen Persönlichkeit und der von anderen intensiv auseinander setzte. Zu Beginn unserer Sitzungen schilderte er mir, dass er mit der Art seines Chefs überhaupt nicht klarkomme. Er drückte es so aus: „Meine Hauptaufgabe wird es sein, ihn verstehen zu lernen. Ich kann ihn einfach nicht einschätzen. Ich weiß nicht, wie er tickt. Was ihm wann wichtig und wie es richtig ist, weder was die Vorgehensweise noch das Ergebnis betrifft. In einem Moment überhäuft er einen mit Aufgaben, die er dann ganz plötzlich wieder stoppt, weil ihm etwas Wichtigeres eingefallen ist. Manchmal ist er väterlich und fürsorglich und dann wieder beinhart und unberechenbar. Er entscheidet immer sehr schnell. Aber wenn auch. nicht jede seiner Entscheidungen richtig ist, rafft er sich doch immer wieder schnell auf und hat neue Ideen, um die Abteilung voranzutreiben. Was ihn noch auszeichnet ist sein enormes Wissen und er wünscht, dass die Ergebnisberichte seiner Abteilung kurz, prägnant und doch wirksam vorbereitet werden, weil er damit beim Vorstand punkten kann. Das verstehe ich ja auch, weil es seine Position mitbringt, er entsprechende Verantwortung trägt und unsere Planstellen im Unternehmen begründet.“

Besonders machte meinem Coachee zu schaffen, dass sein Vorgesetzter nie Gespräche mit der ganzen Abteilung führte, sondern sich immer nur einzelne Mitarbeiter in sein Büro holte. So konnte keiner wissen, was er mit wem besprochen hatte. In seiner Funktion als neuer Teamleiter musste das mein Klient aber dringend wissen.Auch im Team war die Stimmung entsprechend angespannt. Je ruppiger der Chef sich gab, desto mehr zeigten sich die Mitarbeiter wie im Schock und waren so gar nicht in ihrer Kraft. Entsprechend war der Output.

Zusammengefasst: Der Abteilungsleiter verstand es für viel Verwirrung und wenig Orientierung zu sorgen. Allerdings darf man nicht vergessen, dass auch er tagein tagaus voll unter Druck steht und sich häufig zwischen mehreren Ebenen bewähren und beweisen muss.

Wer sich selbst ändert, ändert oft automatisch sein Umfeld mit

Natürlich kann man einen anderen Menschen – in diesem Falle auch noch seinen Vorgesetzten – schwer ändern. Was man aber ändern kann, ist der Umgang mit ihm. Mit dem Coaching hat mein Kunde als Teamleiter nicht nur alle Werkzeuge an die Hand bekommen, die er in seiner neuen Leitungsposition benötigt. Seine Persönlichkeitsbildung war die Basis dafür, dass sich im Unternehmen viel gewandelt hat, nämlich strukturelle Dinge wie Berichtswege und Absprachen.

Indem er lernte, seinen Vorgesetzten „zu lesen“ und zu verstehen, konnten sich auch sein Chef und die gesamte Abteilung, bestehend aus vielen neuen Mitarbeitern, mitverändern.

Wenn heute ein Problem ansteht, sagt der Chef zu ihm (er selbst wurde übrigens mittlerweile in eine noch höhere Position gehoben): “Gehen Sie mal erst zur Juliane Müller und sprechen Sie darüber, dann machen wir mit den Ergebnissen weiter“. So kann sich das Blatt wenden.

Autor: Juliane Müller

Juliane Müller

Homepage: http://www.julianemueller.at

Telefon: +43-662-62583624

Weitere Infos siehe Juliane Müller

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